Schlafen kann man nicht „machen“ – warum guter Schlaf ein Körperzustand ist
Viele Menschen sagen:
„Ich müsste besser schlafen.“
Oder:
„Ich muss mich einfach mehr entspannen.“
Und genau hier beginnt oft das Missverständnis.
Schlaf ist nichts, was wir mit dem Kopf herstellen können.
Schlaf ist kein To-do.
Und er entsteht nicht durch Willenskraft.
Schlaf ist ein körperlicher Zustand.
Er entsteht dann, wenn dein Nervensystem sich sicher, reguliert und nicht mehr im Alarmmodus fühlt.
Warum wir nicht einfach einschlafen können
Wenn du abends im Bett liegst und dein Kopf nicht zur Ruhe kommt,
ist das kein Zeichen von Schwäche oder falscher Technik.
Es bedeutet meistens:
Dein Nervensystem ist noch aktiv.
Tagsüber verarbeiten wir unzählige Eindrücke:
Gespräche, Entscheidungen, Emotionen, Reize, Erwartungen.
All das wird im Nervensystem gespeichert – und braucht Raum, um wieder losgelassen zu werden.
Schlaf ist genau diese Phase,
in der unser System sortiert, integriert und aufräumt.
Wenn dieser Raum fehlt,
bleibt der Körper in einer Art „Bereitschaft“.
Und aus Bereitschaft entsteht kein tiefer Schlaf.
Was im Schlaf wirklich passiert
Während du schläfst:
- reguliert sich dein Stresssystem
- werden Eindrücke und Emotionen verarbeitet
- wird das Immunsystem gestärkt
- und das Gehirn räumt buchstäblich Stoffwechselabfälle auf
Schlaf ist also nicht Pause –
er ist aktive Regeneration.
Deshalb spüren wir Schlafmangel nicht nur als Müdigkeit,
sondern auch als innere Reizbarkeit, emotionale Dünnhäutigkeit oder Gedankenkreisen.
Warum Druck den Schlaf eher stört
Je mehr wir uns sagen:
„Ich muss jetzt schlafen“,
desto mehr Spannung entsteht.
Denn Druck aktiviert genau den Teil des Nervensystems,
der wach bleiben will.
Schlaf entsteht nicht durch Wollen,
sondern durch Loslassen.
Und Loslassen ist etwas, das der Körper entscheidet – nicht der Kopf.
Was dein Nervensystem stattdessen braucht
Damit Schlaf entstehen kann, braucht dein Körper vor allem:
- Sicherheit
- Orientierung
- und sanfte Signale, dass es jetzt langsamer werden darf
Das können kleine Dinge sein:
ruhigere Übergänge am Abend,
weniger Reize,
oder ein Moment, in dem du wieder im Körper ankommst.
Nicht als Regel –
sondern als Einladung.
Eine kleine Einladung an dich
Wenn dein Schlaf gerade nicht so ist, wie du ihn dir wünschst,
dann frage dich nicht:
„Was mache ich falsch?“
Sondern eher:
„Was würde meinem Nervensystem jetzt helfen, sich sicherer zu fühlen?“
Manchmal ist das schon ein tiefer Atemzug.
Oder eine Hand auf dem Bauch.
Oder ein paar Minuten, in denen nichts mehr von dir verlangt wird.
Und genau hier setzen auch meine S-O-S-Übungen an:
Sie sind keine Technik, um Schlaf zu erzwingen –
sondern eine sanfte Möglichkeit,
deinem Körper zu zeigen:
Du darfst loslassen.
